Stellt Euch vor, 300.000 Besucher machen von 18 bis 2 Uhr die Nacht durch, besuchen mehr als 50 extra geöffnete Museen, Parks und Locations im gesamten Ruhrgebiet. Dabei bieten über 2.000 Darsteller, Musiker und Vereine ein töftes Programm. Wo das geht, geht alles: im Ruhrgebiet!

Offenlegung: die Extraschicht 2018 besuchte ich am 30.06./01.07.18 im Rahmen meines “Takeovers” des Extraschicht-Instagram-Kanals, einer Kooperation mit der Ruhr Tourismus GmbH. Meinungen und Eindrücke sind – ganz klar – meine eigenen.

Begleitet mich doch einmal auf fünf Stationen: von Dinslaken nach Unter Tage zu einer Grubenfahrt auf Prosper Haniel, nach Moers, nach Duisburg und Essen. Und auch so eine Fahrt mit dem Shuttlebus gehört dazu. Mein Extra-Tipp ist diesmal die tolle Extraschicht-Doku vom WDR, den Link findet Ihr später im Text.

Kreativ.Quartier Lohberg, Dinslaken

Gestartet bin ich in Dinslaken. Hier im Kreativ.Quartier Lohberg gab es neben Indoor-Shows, Planwagentouren mit dem Trecker, einer Begegnung mit den wohl schönsten Waden der Extraschicht (gehören nem töften Kumpel von mir), Führungen über’s Gelände auch Cocktails, Live-Mucke und und und…

Grubenfahrt auf Prosper Haniel

Da 2018 auch die letzten Zechen im Ruhrgebiet schließen, hat die RAG noch einmal super ihr Organisationstalent ausgespielt und für 900 Extraschichtler eine einzigartige Stippvisite Unter Tage ermöglicht. Auf Prosper Haniel, Schacht 10, ging es in gut anderthalb Minuten über 1.200 Meter in die Tiefe. Hui, mit 12 Metern pro Sekunde rauscht einem da der Fahrtwind im dunklen Schacht um die Ohren… Echte Kumpel sorgen sich über und Unter Tage mit viel Herzblut um uns Besucher und haben für uns zu jeder noch so ausgefallenen Frage eine Antwort. So sind wir in einem Versorgungsschacht mit riesigen 8 Metern Durchmesser unterwegs, während das Wetter (die Frischluft Unter Tage) ganz schön pfeift. Wir erfahren einiges zum Rundausbau mit seinen Verankerungen, um dem gewaltigen Druck des Berges standzuhalten, wie man mit wassergefüllten Kästen Explosionen dämpft, oder dass die Dieselkatzen, von der Decke hängende Miniloks, nurmehr für Besucher unterwegs sind. Die Kumpel nämlich verschwinden im Dunkel des Berges einfach auf den kilometerlangen Bändern, auf denen auch die Kohle und Steine bewegt werden – mit 3,2 Metern pro Sekunde hab ich mir gemerkt. Da musste flott runterspringen!

In der Mediathek vom WDR gibt’s übrigens einen ganz wunderbaren Querschnitt der Extraschicht (mit Feuerwerk!) zu sehen, und ab Minute 31 könnt Ihr unsere Schicht ein bisschen Unter Tage begleiten (sogar mit kurzem Statement von mir, Minute 34).

Weil wir Unter Tage nicht fotografieren durften (Explosionsgefahr), habe ich die Fotos von einem Besuch des Trainingsbergwerks Recklinghausen entliehen.

Schacht Rheinpreußen, Moers

In Moers werde ich Zeuge einer ganz wunderbaren A-Cappella-Vorführung, die Damen sind mit soviel Enthusiasmus dabei, die singen einfach draußen weiter! Dazu gibt’s überdimensionale Bergmänner auf Stelzen, Bratwurst und Steak vom Grill oder Führungen. Hier muss ich auf jeden Fall nochmal hin, und eines meiner Fördergerüst-Bilder mit Zeichenkohle zeichnen!

Landschaftspark Duisburg Nord

Unterwegs fahre ich – Danke für den spontanen Taxiservice, Dirk! – am Gasometer Oberhausen vorbei, den ich dieses Mal ganz untypisch nicht zur Extraschicht besuche. Dafür geht’s weiter im Landschaftspark Duisburg Nord, kurz LaPaDu. Dort gibt’s eine riesige Mitmach-Rauminstallation “Sinfonie der Zyklonauten”, einen Streetfood-Markt, prima Live-Mucke und später – inmitten des beleuchteten Parks – ein tolles Feuerwerk. Da bin ich aber schon wieder weg…

Zeche und Kokerei Zollverein

…und zwar mittlerweile auf Zeche Zollverein angekommen. Hier schaffe ich es gerade zum großen sächsischen bergmännischen Zapfenstreich mit über 2.000 Kumpeln und Musikkorps aus Sachsen, Saarland und dem Ruhrgebiet, ein tolles Erlebnis. Danach tönt aus 100 Hörnern eine seltsame, aber faszinierende Musik, die von einer gewaltigen Flammenshow umrahmt wird. Genial! Viele verschiedene Kleinkunstbühnen, noch mehr Mucke (teils sehr experimentell, aber richtig gut!), illuminierte Wege und Fassaden bilden ein starkes Gesamtkunstwerk. Zum Schluß laufe ich noch rüber zur Kokerei, hier bieten die neuen Gebäude der RAG Montanimmobilien und RAG-Stiftung eine mit viel Lichtobjekten prima inszenierte Bühne für ein Stoppok-Konzert.

 

Die Rückfahrt

Gemeinsam mit vielen anderen Extraschichtlern passen wir erstmal nicht in einen der zahlreichen, dann aber doch wie immer nicht ausreichenden Shuttlebusse, moppern ein bißchen auf Ruhri-Art. Dabei unterhalten wir uns aber prima, bis nach ein paar Minuten eben der nächste Shuttlebus kommt und uns – gefühlt wie in einer fahrenden Sardinenbüchse – zum Hauptbahnhof Essen mitnimmt. Dort fahre ich mit einer der vielen Sonder-S-Bahnen zurück in meine Wahlheimatstadt Mülheim an der Ruhr und falle kurz irgendwann zwischen zwei und drei Uhr morgens ins Bett. Müde, aber sehr glücklich und geflasht, von einer tollen Extraschicht, von der ich trotzdem nur einen Bruchteil gesehen habe… Nächstes Jahr gern wieder!

Updates

Update 1: bei Janett aka Teilzeitreisender gibt’s ebenfalls einen detailreichen Bericht zur Grubenfahrt und Extraschicht in Dinslaken und Duisburg.

Update 2: ich habe ganz vergessen, auf meine eigene Grubenfahrt mit Michael auf Auguste Victoria in Marl vor fünf Jahren hinzuweisen. Hier haben wir nämlich tatsächlich auch die Kumpel vor Ort besucht und sind beim Kohleabbau live dabeigewesen.

Update 3: Michael vom gleichnamigen Erlebnis-Blog hat mich unter anderem in Dinslaken und bei unserer Grubenfahrt begleitet, danach hat er weitere Entdeckungen wie Kohlenseife und Poutine gemacht. Seine Eindrücke der Extraschicht 2018 findet Ihr hier.

Update 4: Bei ARTE hat man in einem kleinen Beitrag auch noch einmal die Extraschicht und die Geschichte des Reviers aufgegriffen.

Update 5: Jessi von Fernweh und so hat bei ihrer Grubenfahrt den Dreck vermisst und neben Dinslaken die aktuelle Ausstellung auf Kokerei Zollverein und das Museum der Deutschen Binnenschifffahrt in Duisburg besucht.

Update 6: Das LWL-Museum für Archäologie Herne hat einen eigenen Blogbeitrag mit Eindrücken zur Extraschicht im Hause veröffentlicht – 2.500 Besucher wurden vor Ort gezählt, toll!

Update 7: Auch Thomas von Breitengrad66 war auf Grubenfahrt zur Extraschicht. Allerdings war auch seine Grubenfahrt ein dreiviertel Jahr vorher, über die er im gleichen Blogbeitrag berichtet, ungleich eindrucksvoller. Das kann ich gut nachvollziehen!

Die 18. Extraschicht – 300.000 Besucher machen Party im Ruhrgebiet
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3 Kommentare zu „Die 18. Extraschicht – 300.000 Besucher machen Party im Ruhrgebiet

  • 4. Juli 2018 um 15:49 Uhr
    Permalink

    Hi Danny,

    mit zunehmenden Alter überkommt einen die Müdigkeit immer früher :-) , aber es war trotzdem wieder eine tolle Extraschicht. Auch wenn es nicht bis an die Kohle ging, Förderkorbfahren ist schon eine aufregende Sache. By the way, das Bild der Kokerei Zollverein ist mein absoluter Favorit unter den obigen Bildern.

    Gruß
    Michael

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    • 4. Juli 2018 um 17:53 Uhr
      Permalink

      Hi Michael, es war mir ein Vergnügen, wieder mit Dir einzufahren! Und gerade die (temporären) Installationen mit Illumination sind eines der Highlights der Extraschicht, muss ich nächstes Jahr mal bisschen mehr in den Fokus nehmen.

      Antworten
  • Pingback:Schicht im Schacht - Extraschicht mal anders. - Teilzeitreisender.de

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