Wusstet Ihr, dass die Mülheimer Gartenschau – kurz MüGa – schon 25 Jahre her ist? Am 11. April 1992 eröffnete Ministerpräsident Rau das Gelände – schönes Wetter inklusive.

Camera Obscura und ein Stückchen MüGa.
Camera Obscura und ein Stückchen MüGa.

Damals wurden große Anstrengungen – auch finanzieller Art – unternommen, um ein Gebiet, das mit Schrottplätzen, Industriebrachen, stillgelegtem Bahngedöns übersäht war, zu einem ansehnlichen Naherholungsgebiet zu wandeln. Die Idee dazu war schon in den 70ern entstanden: es ging darum, Parkanlagen zu schaffen, die allgemeine Stadtentwicklung voranzutreiben und eine Basis für touristische Aktivitäten herzustellen. Sanierung, Wohnumfeldverbesserung und das Beseitigen von baulichen Relikten wie dem Schrottplatz Broich sind quasi Begleiterscheinungen. Kleine Story am Rande: auf letzterem Gelände hat der amtierende Oberbürgermeister Ulrich Scholten noch Bauteile für seinen Opel Kadett B gekauft, wie er auf der gemütlich kleinen Pressekonferenz im März erzählte. Gar von einem Nachtjackenviertel war die Rede!

Pressekonferenz am 24.03.2017. VLNR: Inge Kammerichs/Geschäftsführerin MST GmbH, Ulrich Scholten/Oberbürgermeister Mülheim an der Ruhr, Sylvia Waage/Amtsleiterin Amt für Grünflächenmanagement und Friedhofswesen, Dr. Jörg Schmitz/Museumsleiter Camera Obscura
Pressekonferenz am 24.03.2017. VLNR: Inge Kammerichs/Geschäftsführerin MST GmbH, Ulrich Scholten/Oberbürgermeister Mülheim an der Ruhr, Sylvia Waage/Amtsleiterin Amt für Grünflächenmanagement und Friedhofswesen, Dr. Jörg Schmitz/Museumsleiter Camera Obscura

Natürlich war dann die MüGa zu Beginn auch umstritten. Von einer viel zu teuren Blümchenschau sei gar die Rede gewesen. Da es aber nicht nur um Grün und Bunt in Fussreichweite („Pantoffelgrün“) ging, sondern auch Wege geschaffen, Brückenbau und Radwege vorangetrieben wurden, allgemein neue Verbindungsstrecken entstanden, kam die Akzeptanz bei Bürgern und in der Politik dann doch noch in der Breite in Gange – sagt der OB, ich selbst habe da ja noch gar nicht in Mülheim gewohnt.

Blick durch den Wandelgang auf die Camera Obscura.
Blick durch den Wandelgang auf die Camera Obscura.

Auch in den 25 Jahren seit der Eröffnung gab es eine Weiterentwicklung, die nicht immer vorhergesehen wurde. Größere und kleinere Projekte wurden ins Leben gerufen. Ob der Ringlokschuppen mit seiner bewegten Entwicklung – von einer Aufbewahrungshalle für Pflanzkübel hin zu einem Kulturort mit zwischendurch schwieriger finanzieller Lage – oder die Camera Obscura – die mal als Räucherhaus für Mettwürstchen herhalten musste und nun neben der größten begehbaren Camera Obscura der Welt ein tolles Museum zur Vorgeschichte des Films beinhaltet – hier sind überregionale bekannte Leuchttürme der Industriekultur geschaffen worden. Auch kleinere Projekte sind mit viel Engagement möglich gewesen: der Europapavillon oder die zahlreichen Spielplätze mit und ohne Wasser locken Familien an. Bänke, Wiesen und Wasserflächen laden Besucher jeden Alters zum Verweilen ein.

Familie Ente chillt.
Familie Ente chillt.

Die MüGa ist jedoch nicht nur der zentrale Teil an der Ruhr vis-a-vis von der Stadthalle. Das gesamte Gelände spannt sich vielmehr von Haus Ruhrnatur bis zum Schloss Styrum.

Auch das Gelände rund um das Aquarius Wassermuseum gehört zu MüGa.
Auch das Gelände rund um das Aquarius Wassermuseum gehört zu MüGa.

Haus Ruhrnatur und auch das Klostermuseum Saarn sind selbst Nachkömmlinge der MüGa 1992, mit den anderen MüGa-Museen ziehen sie pro Jahr 60-70.000 Besucher an, weiß Frau Kammerichs von der MST. Die MST (Mülheimer Stadtmarketing und Tourismus) ist dabei ein direkter Nachfolger der initialen MüGa-Betreiber und tritt entsprechend in große Fußstapfen. Ergänzend ist dann auch neben Denkmalschutz finanziell nicht immer einfaches Spiel angesagt. So sind gerade aktuell die Leistungen und das Angebot umso höher zu bewerten, finden doch alle Altersgruppen hier etwas für sich. Die MüGa ist hierbei Gastort für viele Veranstaltungen das gesamte Jahr über: ob beispielsweise das (gesponsorte) medl Wintergrillen oder der medl Cup, der Weltkindertag, die überregionale Extraschicht oder die von mir überaus geschätzten Mittelalter-Events im Schloss Broich wie das Pfingstspektakulum oder die Schlossweihnacht und und und – da ist viel los und führen letztlich zu hunderttausenden von Besuchern.

Hier beginnt immer das Krippenspiel zur Broicher Schlossweihnacht. Jetzt ist aber erstmal Frühling.
Hier beginnt immer das Krippenspiel zur Broicher Schlossweihnacht. Jetzt ist aber erstmal Frühling.

So ein großes Gebiet stellt natürlich auch Ansprüche an die permanente Pflege. Nach der initialen Planung dazumal vor 25 Jahren werden die Gärten behutsam und dennoch bestimmt mit viel Herzblut gestutzt oder nach einem Wintergrillen auch mal intensiv wiederhergestellt. Die intensive Bepflanzung, die zur Eröffnung die Illusion eines gewachsenen alten Gartens schaffte, musste im Laufe der Jahre auch von dem einen oder anderen Baum befreit werden – damit sich die Pflanzen nicht gegenseitig erdrücken. Solcherart Eingriffe kommen nicht immer bei allen gut an, sind aber notwendig, wie Frau Waage vom Amt für Grünflächenmanagement zusammen mit Herrn Schuhmacher erzählt.

Magnolien und Narzissen haben die Blüten schön!
Magnolien und Narzissen haben die Blüten schön!

Im Übrigen bin ich extra nach der Schwärmerei von Hr. Schuhmacher noch zum Schloss Styrum gefahren, für dieses tolle Arrangement von Scillas und Narzissen. Es hat sich gelohnt, herzlichen Dank für diesen Tipp!

In Styrum - vis-a-vis vom Aquarius Wassermuseum - blühen im Frühjahr blaue Scillas und gelbe Narzissen.
In Styrum – vis-a-vis vom Aquarius Wassermuseum – blühen im Frühjahr blaue Scillas und gelbe Narzissen.

Wichtigstes touristisches Produkt der letzten zehn Jahre ist der Ruhrtalradweg, der auf sieben Kilometer Strecke via Mintard – Saarner Aue – Schloss Styrum/Aquarius Wassermuseum durch das Müga-Gelände führt. Als zweitbeliebtester nationaler Radweg ist das natürlich super und sorgt für zusätzliche Besucher auf zwei Rädern. Dementsprechend freut man sich in Mülheim auch wie Bolle auf den Ausbau des RS1 – dem Radschnellweg, der zwischen Mülheim Hauptbahnhof und Essen derzeit schon ordentlich Radfahrer, Fußgänger und Sportler durch das Ruhrgebiet bringt.

Frühling in der MüGa.
Frühling in der MüGa.

Im Jubiläumsjahr gibt es neben den oben aufgeführten, wieder stattfindenden Events noch ein paar Extras. So sind zur individuellen Buchung drei neue Themenführungen im Angebot, z.B. „Vom Schrottplatz zum Rosengarten“. Die Eingänge bekamen neue, moderne Übersichtspläne und eine Broschüre ging in den Druck – genauso wie einige Postkartenmotive. Und in der Camera Obscura findet eine Fotoausstellung statt, die sich rund um die Geschichte der MüGa dreht. Ob Aufnahmen aus den Archiven der MST, von den Eisenbahnfreunden oder aus Privatbesitz – sie finden hier eine Heimat auf Zeit. Ab und an wird auch historisches Videomaterial gezeigt – von Mülheims erstem Privatmann, der seine Frau mitnehmen musste, die den Akku für seine Videokamera halten musste.

Broschüre und Postkarten zu 25 Jahre MüGa
Broschüre und Postkarten zu 25 Jahre MüGa.

Ich wünsche der MüGa mit all ihren Kulturangeboten und dem engagierten Team dahinter zum 25. Geburtstag alles Gute und weiterhin viele, viele Besucher! Alle aktuellen Angebote findet Ihr direkt in der Touristeninformation im MedienHaus, Synagogenplatz 3 in Mülheim oder online auf der entsprechenden Website.

25 Jahre MüGa – Pantoffelgrün und viel Kultur für Mülheim und Besucher
Markiert in:                     

2 Gedanken zu „25 Jahre MüGa – Pantoffelgrün und viel Kultur für Mülheim und Besucher

  • 1. Mai 2017 um 22:22
    Permalink

    Schon erstaunlich, dass die MüGa schon so alt ist. Und Klasse, dass es so was grünes mit Wasserspielplatz… in Stadtnähe gibt.
    Wenn das Wetter besser ist schau ich mal vorbei.

    Antworten
    • 1. Mai 2017 um 22:46
      Permalink

      Wunderbar, schon mal gute Erholung in der MüGa und ich bin gespannt, wie viele interessante Ecken Du so bei einem Besuch findest.

      Antworten

Kommentar verfassen